Die Galerie Roschlaub hat ihre neuen Räume in der Milchstraße 21 in Hamburg-Harvestehude eröffnet. Zur Eröffnung zeigt sie ein Werk, das selbst Kenner überrascht: die Farbfotografie von Werner Bischof, jahrzehntelang unbekannt und erst vor wenigen Jahren im Archiv wiederentdeckt.
Ein voller Abend in Pöseldorf. Zahlreiche Gäste aus Kunst, Kultur, Medien und Gesellschaft waren der Einladung gefolgt – die einen, um die neuen Räume zu sehen, die anderen wegen der Ausstellung. Beides ließ sich an diesem Abend ohnehin nicht trennen: Die Hängung von „UNSEEN COLOUR" führt durch die Galerie wie durch ein Argument.
Ein Fund im Archiv
Werner Bischof gilt als einer der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts – bekannt vor allem für seine Schwarzweiß-Arbeiten. Dass er auch in Farbe fotografierte, wusste lange kaum jemand.
Vor vier Jahren stießen Marco Bischof und Tania Kuhn im Archiv des Werner Bischof Estate auf Kisten mit Hunderten von Glasplattennegativen. Die Aufnahmen entstanden zwischen 1938 und 1954 und zeigen Motive aus der Schweiz, dem Europa der Nachkriegszeit und den Ländern, die Bischof auf seinen Reisen durchquerte. Über mehrere Jahre hinweg wurden die Negative restauriert und neu interpretiert. Die daraus entstandenen Abzüge machen einen Teil seines Schaffens sichtbar, der bis dahin schlicht nicht existierte – jedenfalls nicht für die Öffentlichkeit.
Die Aufnahme entstand im Herbst 1951. Bischofs Frau Rosellina war für drei Monate zu ihm nach Japan gereist. Als die Priester an ihnen vorbeizogen, lief er ihnen ohne ein Wort hinterher. Zurückgekehrt sagte er nur, jetzt habe er das Bild von Japan. Er wusste sofort, was ihm gelungen war.
Drei Glasplatten, ein Moment
Bischof arbeitete mit einer Rolleiflex, einer Leica – und mit der Devin Tri-Color, einer technisch anspruchsvollen Kamera, die farbige „One-Shot"-Aufnahmen ermöglichte. Das Bild wurde über Spiegel gleichzeitig auf drei Glasplatten belichtet, jeweils hinter einem Rot-, Grün- und Blaufilter. Der Aufwand war erheblich. Das Ergebnis sind Fotografien von einer Schärfe und farblichen Intensität, die man dieser Zeit nicht zutraut.
Für Marco Bischof steckt in diesen Bildern mehr als eine technische Neugier. Sein Vater wollte ursprünglich Maler werden – ein Vorhaben, das der Krieg beendete. In der Farbfotografie sieht der Sohn die Fortsetzung dieser Ambition mit anderen Mitteln. Bischof selbst schrieb einmal an seinen Weggefährten Robert Capa:
In meinem Herzen werde ich immer ein Maler sein, der Vergangenes in Farbe sieht.
Werner Bischof an Robert CapaIm Dialog mit dem Schwarzweiß
Die Ausstellung stellt die neuen Farbarbeiten neben die ikonischen Schwarzweiß-Aufnahmen. Das ist der eigentliche Reiz der Hängung: Wer die eine Bildsprache kennt, sieht die andere anders. Was in Schwarzweiß als Komposition gelesen wird, wird in Farbe zur Beobachtung – und umgekehrt.
Die Gäste
Zu den Besuchern des Eröffnungsabends zählten unter anderem:
Ingeborg Prinzessin zu Schleswig-Holstein · Ole von Beust mit Lukas Förster · Guido Maria Kretschmer mit Frank Mutters · Marco Bischof · Jo Groebel mit Grit Weiss · Kristina Tröger · Ulrike Krages
Kulinarisch begleitet wurde der Abend vom Dim Sum Haus – ein Kontrapunkt zu den stillen Bildern an den Wänden, der überraschend gut funktionierte.
Die Ausstellung
- Titel
- UNSEEN COLOUR
- Künstler
- Werner Bischof
- Laufzeit
- bis 19. April
- Ort
- Galerie Roschlaub, Milchstraße 21, 20148 Hamburg
- Öffnungszeiten
- Dienstag bis Freitag 11.00–18.30 Uhr
Samstag 11.00–14.00 Uhr - Eintritt
- frei
Wir freuen uns auf Ihren Besuch in der Milchstraße. Ausgewählte Arbeiten sind auch online erhältlich – als Editionen in verschiedenen Formaten.